18. März 2025

Freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung pragmatischer und kosteneffizienter gemacht

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Der freiwillige VSME-Standard der EFRAG hilft KMU bei der ESG-Berichterstattung und orientiert sich an den ESRS. Durch CSRD- und CSDDD-Änderungen gewinnen VSME an Bedeutung, da sie die Datenlimits für EU-Berichterstattung setzen.

  • Adrian Peyer

    Legal Partner

Der von der EFRAG entwickelte freiwillige EU-Standard für nicht börsennotierte Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen (VSME-Standard) zielt darauf ab, KMU bei der Verbesserung der ESG-Berichterstattung zu unterstützen. Dieser freiwillige Standard orientiert sich an den Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS), bleibt aber der Grösse und den Möglichkeiten von KMU angemessen.

Mit den vorgeschlagenen "Omnibus"-Änderungen an der CSRD und CSDDD werden die VSME erheblich an Bedeutung gewinnen, da sie die Grenzen der Daten darstellen, die ein EU-berichterstattendes Unternehmen in seiner Lieferkette abfragen darf. Damit will die EU-Kommission den "trickle-down"-Effekt der aufwändigen Meldepflichten ("Value Chain Cap") beseitigen.

Damit rückt der VSME in den Fokus der KMU in der EU, aber auch in der Schweiz, denn die Unternehmen sind Zulieferer und damit in der Lieferkette von EU-Unternehmen.

Was die VSME sind und wie Sie sich vorbereiten können, ist im Folgenden zusammengefasst.

1. Zielsetzung und Anwendungsbereich

  • Der VSME-Standard ist freiwillig und gilt für KMU, deren Aktien nicht an geregelten EU-Märkten kotiert sind.
  • Es hilft KMU, grossen Firmenkunden, Banken und Investoren Nachhaltigkeitsinformationen zur Verfügung zu stellen und so den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern.
  • Sie ermöglicht ein besseres Management von Umwelt- und Sozialfragen und fördert nachhaltige Geschäftspraktiken.

2. Aufbau des Standards

Der VSME-Standard besteht aus zwei Berichtsmodulen:

  1. Basismodul: Mindestanforderungen an die Berichterstattung über die wichtigsten Nachhaltigkeitskennzahlen.
  2. Umfassendes Modul: Zusätzliche Angaben, die für KMU nützlich sind, die eine engere Zusammenarbeit mit Investoren und Geschäftspartnern anstreben.

3. Zentrale Berichtsbereiche

Die Norm ist in drei Schlüsselbereiche gegliedert:

A. Umweltmetriken

  • Energie & Treibhausgasemissionen: Berichterstattung über den Gesamtenergieverbrauch, die Treibhausgasemissionen und die Intensitätskennzahlen.
  • Umweltverschmutzung und Abfallwirtschaft: Angaben zur Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung sowie zur Abfallerzeugung und zu Praktiken der Kreislaufwirtschaft.
  • Auswirkungen auf Wasser und biologische Vielfalt: Überwachung des Wasserverbrauchs und der Bemühungen zum Schutz der biologischen Vielfalt in sensiblen Gebieten.
B. Soziale Metriken
  • Merkmale der Belegschaft: Daten zu Beschäftigungsarten, Geschlechtervielfalt und Sicherheit der Belegschaft.
  • Wohlbefinden der Mitarbeiter: Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Einhaltung der Lohnvorschriften und Schulungsstunden pro Mitarbeiter.
  • Menschenrechte und ethisches Verhalten: Berichterstattung über Tarifverhandlungen, Arbeitsplatzpolitik und Diskriminierungsvorfälle.
C. Governance-Metriken
  • Korruptionsbekämpfung und Compliance: Offenlegung von Verurteilungen und Geldstrafen im Zusammenhang mit Bestechung und Korruption.
  • Geschäftsgebaren & Strategie: Informationen über nachhaltigkeitsbezogene Richtlinien und Governance-Diversity-Kennzahlen.

4. Compliance-Grundsätze

  • Die Berichte sollten relevant, vergleichbar, überprüfbar und verständlich sein.
  • Es wird empfohlen, die jährliche Berichterstattung an die Jahresabschlüsse anzupassen.
  • KMU können sensible oder als Verschlusssache eingestufte Informationen mit entsprechender Begründung ausschliessen.
  • KMU werden ermutigt, konsolidierte Berichte vorzulegen, wenn sie Teil einer Konzernstruktur sind.

5. Wesentliche Änderungen der VSME-Norm nach öffentlicher Konsultation

Als Ergebnis der Rückmeldungen aus öffentlichen Konsultationen und Feldtests wurden mehrere strukturelle Änderungen vorgenommen, um den Berichterstattungsprozess zu vereinfachen:

  1. Abschaffung der Wesentlichkeitsbewertung - KMU müssen keine interne Wesentlichkeitsanalyse mehr durchführen, was die Kosten für die Einhaltung der Vorschriften erheblich senkt.
  2. Umbenennung der Module - Das frühere Modul "Geschäftspartner" heisst jetzt "Umfassendes Modul", um die Erwartung breiterer ESG-Offenlegungen besser widerzuspiegeln.
  3. Erhöhtes Automatisierungspotenzial - Das vereinfachte Format fördert die Entwicklung von Online-Berichtswerkzeugen, wie z. B. Treibhausgasrechner, um die Offenlegung zu erleichtern.

6. Empfehlungen für Schweizer und EU-KMU

Um die VSME-Norm wirksam umzusetzen, sollten KMU den folgenden Aktionsplan berücksichtigen:

  1. Verfolgen Sie einen schrittweisen Ansatz: Beginnen Sie mit dem Basismodul und integrieren Sie nach und nach Elemente aus dem umfassenden Modul auf der Grundlage der Geschäftsanforderungen.
  2. Entwickeln Sie eine Nachhaltigkeitsstrategie: Ermitteln Sie die wichtigsten ökologischen und sozialen Auswirkungen Ihres Unternehmens und setzen Sie klare Nachhaltigkeitsziele.
  3. Verbessern Sie die Datenerfassung und -verfolgung: Investieren Sie in Tools oder Software zur effizienten Überwachung von Energieverbrauch, Abfall und Arbeitsbedingungen, z. B. esg2go (https://esg2go.org/ ).
  4. Stakeholder einbinden: Arbeiten Sie mit Lieferanten, Kunden und Finanzinstituten zusammen, um die Transparenz zu erhöhen und die Geschäftsbeziehungen zu verbessern.
  5. Schulung von Mitarbeitern und Management: Fördern Sie eine Kultur der Nachhaltigkeit, indem Sie regelmässige Schulungen zu Nachhaltigkeitspraktiken und Berichterstattungsanforderungen anbieten.

Durch die Anwendung der VSME-Standards können KMU ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, die steigenden Erwartungen der Behörden und Lieferanten kosteneffizient erfüllen und zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beitragen.

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